„Gesicherte“ Nachfolge? Was heißt denn „Sicherheit“?

Der Brockhaus meint, Sicherheit sei „das Freisein von Bedrohung“. Das klingt simpel, ist es aber bei näherer Betrachtung nicht. Es gibt nämlich ganz unterschiedliche Dimensionen dieser Wertidee „Sicherheit“, die es zu differenzieren gilt.

Wie breit das Spektrum des Begriffs „Sicherheit“ ist, zeigt sich in der englischen Sprache weit klarer als im Deutschen. Während es im Deutschen nur ein Wort gibt, wird im Englischen sprachlich zwischen drei Varianten von Sicherheit unterschieden: Safety, Security und Certainty.

Safety vs. Security vs. Certainty

„Safety“ kennzeichnet die Zuverlässigkeit technischer Systeme („safety belt“), die zunächst unabhängig von menschlichen Einflüssen untersucht wird. Treten menschliche Faktoren und soziale Aspekte hinzu, wird der Begriff „security“ gebraucht, z. B. in „social security“.

Als dritte Dimension gibt es noch den Begriff „certainty“, der im Deutschen mit „Gewissheit“ übersetzt wird. „Certainty“ bezeichnet die kognitive Seite des Sicherheitsproblems. Die Vorstellung, über Gewissheit bei Unsicherheiten verfügen zu können, ist bekanntlich ein Widerspruch in sich. Denn Unsicherheiten zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie gerade nicht definitiv geklärt werden, sondern allenfalls über Wahrscheinlichkeiten abgeschätzt werden können, wenn überhaupt. Daraus folgt:

Sicherheit ist kein Ordnungsproblem, für das es eine eindeutige, optimale und dauerhafte Lösung gibt. Sicherheit ist ein Risikoproblem, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die anvisierten Lösungen stets als vorübergehend und suboptimal betrachtet werden müssen, weil die vorläufigen Lösungskonzepte neue Unsicherheiten erzeugen bzw. erst sichtbar machen.

Bei Risikoproblemen kann demnach nicht von linear wachsenden Sicherheitszuwächsen ausgegangen werden. Die Sicherheitsspirale kann immer wieder auch nach unten ausschlagen.

Risiko vs. Ungewissheit

Unsicherheiten können differenziert werden in „risks“ als messbare Unsicherheiten (Beispiel: Würfelspiel) und „uncertainties“, bei denen praktisch nichts messbar ist, selbst die Gesamtzahl und die relative Wahrscheinlichkeit der überhaupt möglichen Einzelergebnisse sind unbekannt. Um im Bild mit dem Würfelspiel zu bleiben: Bei „uncertainties“ sind auch Ergebnisse wie „Sieben“ oder „Dreikommafünf“ nicht ausgeschlossen, außerdem sind die Wirkungszusammenhänge weitgehend unbestimmbar.

Deshalb gewinnen integrative Risikobetrachtungen immer mehr an Bedeutung, bei denen neben der rationalen Analytik auch intuitive Lösungsvorschläge („Bauchentscheidungen“) systematisch erforscht und nutzbar gemacht werden. Dazu später mehr.

Gefahren vs. Risiken

Gefahren existieren unabhängig vom Handelnden, Risiken resultieren aus der subjektbezogenen Entscheidung für bestimmte Unsicherheitsfaktoren. Weil Risiken somit als Entscheidungsaufgabe betrachtet werden, erscheinen sie gemeinhin nicht nur negativ, als naturgegebene Bedrohung, sondern ebenso auch positiv als nutzbare Chance. „Risiko ist die vornehmste Quelle der Inspiration“, hat Hans Magnus Enzensberger einmal behauptet.

Doch auch Inspirationen führen oft genug zu Fehlentscheidungen, denn Risiko ist definiert als die Wahrscheinlichkeit einer falschen Entscheidung. Es ist die Summe aller Möglichkeiten, dass sich die Erwartungen des Entscheiders nicht erfüllen. Risiko kann auch dargestellt werden als Distanz zwischen Plandaten und faktischen Daten, als der Gegensatz zwischen Realität und Möglichkeit.

Entscheidende Unterschiede zwischen Gefahren und Risiken gibt es bei der Frage der Verantwortbarkeit:

Gefahren können als letztlich unbeherrschbare Unsicherheiten nicht verantwortet werden, bei Risiken sieht das anders aus: Als Versuch, etwas Neues zu erreichen, sind Risiken ein bewusstes Wagnis, für dessen Folgen die Handelnden gerade stehen müssen. Umgekehrt heißt das aber auch: Unsicherheiten werden nur dann als Risiken wahrgenommen, wenn sie einem oder mehreren Akteur(en) zurechenbar gemacht werden können. Gelingt eine solche subjektbezogene Zuweisung nicht, dann „verwandeln“ sich solche Risken rückwirkend in „schicksalhafte“ Gefahren.

Noch Fragen? Fortsetzung folgt.

Text in Anlehnung an:

Bonß, Wolfgang: Risiko. Vom Umgang mit Unsicherheit in der Moderne. Hamburg, 1995

Forschungszentrum RISK („Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt“) an der Universität der Bundeswehr München

Weitere Literatur:

Renn, Ortwin et. al. (2007): Risiko: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Unsicherheit. München, 2007.

Trautfetter, Gerald: Intuition: Die Weisheit der Gefühle. Reinbek, 2009.

Foto von: Samuel Zeller auf Unsplash

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