>> Ziele und Wirkungslogik unserer Förderung
Die Förderphilosophie der TRADEMUS Stiftung folgt einer klaren Wirkungslogik:
Bildung muss zu Arbeit und Einkommen führen, ganz besonders für Menschen an der Basis der jeweiligen Wohlstandspyramide, dort, wo sich Armut unterschiedlich zeigt: als relative Armut und soziale Ausgrenzung in Deutschland und als absolute Armut und existenzielle Not im Globalen Süden.
Die allgemeinen Ziele unserer Förderung in den beiden Wirkungsfeldern lauten:
- Berufliche Integration und Teilhabe für Menschen am Rand des Arbeitsmarkts in Deutschland zur Förderung des Gemeinwohls, des sozialen Ausgleichs, der wirtschaftlichen Zukunftssicherung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
- Menschenwürdige Arbeit und gesundes Leben für die Ärmsten im Globalen Süden zur Verringerung von Armut, Landflucht und Ressourcenverschwendung und zur Förderung von globaler Gerechtigkeit, Entwicklungszusammenarbeit und Klimaschutz.
Unsere erste Schwerpunktregion des Globalen Südens ist Afrika. Warum Afrika?
Afrika ist der weltweit jüngste Kontinent. Etwa 60% aller Afrikaner und Afrikanerinnen sind aktuell unter 35 Jahren. Während die Jugendbevölkerung in Europa und Asien schrumpft, wächst sie in den afrikanischen Ländern weiter.
Die Bildungsabschlüsse der afrikanischen Jugend werden zwar immer besser. Doch zu viele junge Menschen mit besseren Ausbildungen, hohem Potenzial und hohen Erwartungen treffen auf viel zu wenige Arbeitsplätze.
Mehr als 40% der afrikanischen Jugendlichen fühlen sich von ihren Regierungen vernachlässigt. Wirtschaftskrisen, Korruption, schlechte Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung und Armut trotz Arbeit sind die Hauptursachen für Migration.
>> Aspekte der nationalen Förderziele
- Förderung von Jugendlichen in schwierigen sozialen Verhältnissen
Laut Statistischem Bundesamt war 2025 jeder zehnte junge Mensch in Deutschland ohne Job, Bildungs- oder Ausbildungsplatz.
Das birgt zahlreiche gesellschaftliche Risiken wie Arbeitslosigkeit, geringe Teilhabe, steigende Kriminalität oder politische Frustration.
25 Prozent der Betroffenen waren auf Arbeitssuche. Die große Mehrheit von 66 Prozent stand dem Arbeitsmarkt jedoch nicht zur Verfügung. Die soziale Konsequenz für die Lebensperspektiven dieser jungen Menschen ist offensichtlich. Die wirtschaftliche Konsequenz für den deutschen Arbeitsmarkt ist, dass wichtige Fachkräfte verloren gehen.
Bei jungen Menschen, die nach der Schule weder Ausbildung noch Arbeit finden, geht es zunächst vielleicht um ein Jahr ohne berufliche Perspektive. Aber dieses Jahr kann eine Weichenstellung für Jahrzehnte werden.
Wir wollen verhindern, dass ein schwieriger Start zu einem dauerhaft vorgezeichneten Lebensweg wird.
Der Staat ist für die Grundsicherung zuständig. Aber eine Leistung zu erhalten ist noch keine Perspektive. Das Problem ist nicht nur fehlende Förderung, es ist oft die auch kaum noch mögliche Erreichbarkeit dieser Jugendlichen.
Organisationen wie JOBLINGE haben sich zum Ziel gesetzt, Menschen, die von bestehenden Systemen nicht mehr erreicht werden, dabei zu unterstützen, Selbstvertrauen, Motivation und soziale und berufliche Kompetenzen zu entwickeln und dafür Jugendliche mit Unternehmen, Mentoren, Bildungseinrichtungen und anderen Unterstützern zusammenbringen.
- Förderung von Menschen mit Behinderung
2024 lag die Arbeitslosenquote von Menschen mit Schwerbehinderung mit 11,6 % fast doppelt so hoch wie bei der übrigen Bevölkerung, rund 44 % der arbeitslosen Menschen mit Behinderung waren bereits länger als ein Jahr arbeitslos.
Was viele nicht wissen: Nur drei Prozent der Behinderungen sind angeboren, alle anderen erwirbt man sich im Laufe eines Leben, durch Krankheiten oder Unfälle.
Staatliche Systeme sind primär darauf ausgerichtet, Rechtsansprüche zu erfüllen, Förderleistungen regelkonform zu vergeben und Versorgung sicherzustellen.
Die größte Schwäche liegt häufig nicht im Fehlen einzelner Förderinstrumente, sondern an den Übergängen: Schule → Berufsorientierung → Ausbildung → Beruf → dauerhafte Beschäftigung.
Für jeden einzelnen Abschnitt gibt es Fördermöglichkeiten. Aber zu wenige Akteure fühlen sich für die Gesamtkette verantwortlich.
Viele mittelständische Unternehmen haben grundsätzlich Interesse an Inklusion, verfügen aber nicht über die organisatorischen Ressourcen großer Konzerne.
Die TRADEMUS Stiftung engagiert sich bewusst dort, wo die staatliche Förderung nicht ausreicht, zu spät greift oder mehrere Systeme zusammengebracht werden müssen.
Wir fördern keine isolierten Einzelmaßnahmen, sondern Vorhaben, die nachweislich mehrere Akteure miteinander verbinden und Übergänge verbessern.
>> Aspekte der internationalen Förderziele
- Creating opportunities through work
Bei unseren Ausbildungs- und Beschäftigungsprojekten im Globalen Süden bauen wir auf die Wertschöpfungsressourcen in der Regenerativen Wirtschaft.
Unsere Überzeugung ist: Der Weg aus der Armut führt über Arbeit, die aus frei verfügbaren Ressourcen Wert schöpft. Diese Ressource ist Abfall, vor allem Plastikmüll.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen schätzt, dass weltweit rund 24 Millionen Menschen als informelle Abfallsammler arbeiten. Als Tagelöhner, ohne irgendeine Form von Versicherung oder Gesundheitsschutz.
Die TRADEMUS Stiftung, die im internationalen Kontext als TRADEMUS Foundation auftritt, will für die gefährdeten, informell tätigen „Frontkämpfer der Abfallwirtschaft“ signifikant bessere Arbeits- und Lebensbedingungen schaffen. Dabei wollen wir Kreislaufwirtschaft und genossenschaftliche Ansätze in einem synergistischen Wirkungsnetzwerk zu vereinen.
Mehrere internationale Organisationen haben nachgewiesen, dass Genossenschaften die Organisationsform sind, die alle Dimensionen der Armutsbekämpfung und Ausgrenzung am besten erfüllt.
Der ganzheitliche Ansatz unseres Waste-Recycling-Konzepts verknüpft soziale Nachhaltigkeit (weniger Armut, gesundes Leben), ökologische Nachhaltigkeit (Schutz von Umwelt und Biodiversität), ökonomische Nachhaltigkeit (Wohlstand durch selbstgenerierte Wertschöpfung) und kulturelle Nachhaltigkeit (gemeinschaftsbasiert, partizipativ, inklusiv) in einem ganzheitlichen Wirkungssystem.